Dalai Lama, Christen - und die Medien

Der Dalai Lama wird gefeiert - und von den Massen gänzlich unkritisch als "Gottkönig" gefeiert.

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Würden sich Christen solche Veranstaltungen erlauben, sie bekämen mediale Prügel. Ein Kommentar von Jürgen Mette, Geschäftsführer der Stiftung Marburger Medien.

Man stelle sich mal vor, Christen würden in Marburg einen prominenten Referenten zur öffentlichen Proklamation des christlichen Glaubens einladen. Wir würden das Stadion mit  5.000 Menschen füllen, pro Kopf 50 Euro Eintritt verlangen, Devotionalien und Merchandising jeder Art feilbieten. Der Starredner würde sich mit "Gottkönig" anreden lassen und in einer Luxuslimousine vorfahren. Die Medien würden zu Recht Sturm laufen. Volker Beck würde den Bundestag mit Anfragen befassen und Roland Koch und der Marburger Oberbürgermeister würden gezwungen, sich von dieser Veranstaltung zu distanzieren. Die Universität würde öffentlich aufgefordert werden, keine Räume für dieses pseudo-wissenschaftliche Spektakel bereit zu stellen.

Kürzlich hat der Dalai Lama in der Commerzbank-Arena in Frankfurt gesprochen. Ein total kommerzialisierter Auftritt mit Eintrittspreisen bis zu 200 Euro.  Keine Anfrage der Medien zur Rolle der Frau im Buddhismus, keine Anfrage zur Rolle von Schwulen und Lesben. Der Dalai Lama hält Homosexualität für ein Fehlverhalten, das ein falsches Karma nach sich ziehen würde. Im Januar 2001 antwortete er in einem Interview mit der französischen Zeitung "Dimanche" auf die Frage, was er über Homosexualität denke: "It's part of what we Buddhists call 'bad sexual conduct'. Sexual organs were created for reproduction between the male element and the female element -- and everything that deviates from that is not acceptable from a Buddhist point of view."

Am Montag dieser Woche hat die Marburger Philipps-Universität dem "Gottkönig" die Ehrendoktorwürde verliehen. Demos gegen Vermischung von Religion und Wissenschaft, Sitzblockade an der Auffahrt zum Schloss, Schmierereien an Häusern von Lama-Sympathisanten? Fehlanzeige! Gut so! Rückfragen zur wissenschaftlichen Begründung der Ehrendoktorwürde sind kaum laut geworden. Das sonst schnell aufgebrachte, wissenschaftlich aufgeklärte und politisch korrekte Marburg bleibt verdächtig stumm. Keiner will die religiösen Gefühle des Gastes und seiner Jüngerinnen und Jünger verletzen. Gut so! Aber die religiösen Gefühle der Christen in Marburg durften im Zusammenhang mit dem evangelikalen APS-Kongress mit Füßen getreten werden. Kongressreferenten und Teilnehmer wurden massiv unter Druck gesetzt. Der liebenswürdige Mann aus dem Exil hingegen wird gefeiert. Er lächelt.

Ich kritisiere nicht den Dalai Lama, auch nicht seine Religion! Seine Verdienste für Tibet und den Frieden sind unbestritten! Ich frage nur, warum die Parteien und Gruppierungen vom Aktionsbündnis gegen den APS-Kongress jetzt alle wegschauen? Zur Frage, warum der APS-Kongress so scharf angegriffen wurde, schreibt Hansjörg Hemminger, Weltanschauungsbeauftragter der Evangelischen Kirche in Württemberg, in der neuen Ausgabe des "EZW-Materialdienstes" (8/2009, S. 283f.): "Die linken Flügel der Grünen und der SPD sowie die Linkspartei sind seit einiger Zeit dabei, die evangelikale Bewegung zum Feindbild aufzubauen. Dahinter steckt ein simples Machtkalkül:  Der Kampf gegen die Religion, der vor 2001 in der alten Bundesrepublik kaum von politischer Bedeutung war, ist inzwischen Anliegen eines Klientels, um das Grüne und SPD mit der Linkspartei konkurrieren." Ein bemerkenswertes Zeitzeichen! Bleiben wir wachsam!

Quelle: ekklesia-nachrichten (Betrieb EKKLESIA-NACHRICHTEN eingestellt)